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ÖSTERREICHISCHER ARBEITER SÄNGERBUND
Bundeskanzleramt

b_400_400_16777215_00_images_2016-03-24_GuentherZ_Wien11_Zentralfriedhof_1_Grab_Josef_Scheu.JPG2018 haben die Arbeitersänger, vor allem die österreichischen, zwei, eigentlich drei wichtige Jubiläen zu feiern. Am 24. Juni 1848 wurde – im Zuge der Freiheitskämpfe jenes Jahres – in Wien der „Erste Allgemeine Arbeiterverein“gegründet, der mehrere Male bei kämpferischen Arbeiterversammlung auftrat, doch bereits nach den Oktoberkämpfen wieder verboten wurde – ebenso wie 172 (!) angeblich „linke“Zeitungen, die lediglich Pressefreiheit und Demokratie im Sinn hatten.

In der Folge konnten sich Arbeiter nur unter dem Schutzmantel bürgerlicher Fürsprecher organisieren. Und sie taten dies – auch in musikalischer Hinsicht. So wurde am 17. Juli 1863 gemeldet, daß „der erste ,Arbeiter=Gesangverein‘ in Wien bewilligt [wurde]. Die Arbeiter der G. Sigl’schen Maschinenfabrik am Alsergrund haben ihre Statuten nach mancherlei Hindernissen von der Statthalterei genehmigt erhalten. Der Verein führt den Namen ,Eichenkranz‘ und trägt als Zeichen eine Lyra in einem Eichenkranze.“Im selben Jahr 1863 wurde – ebenfalls unter bürgerlichem Schutz – die „Liedertafel der k. u. k. privilegierten Maschinenfabrik Andritz“gegründet, 1865 folgten ein Arbeiterbildungsverein in Wiener Neustadt sowie der „Gesangsverein der k. u. k. privilegierten Südbahnwerkstätten in Marburg“ (heute Maribor). Schließlich erließen Regierung und Kaiser mit Wirkung vom 15. November 1867 ein neues Vereins- und Versammlungsrecht, worauf am 18. November der (in Gumpendorf beheimatete) Wiener „Erste allgemeine Arbeiterbildungsverein“„nicht untersagt“ wurde (wie es angesichts der neuen Rechtslage wohl zähneknirschend hieß). Und bei dessen konstituierender Versammlung vom 15. Dezember 1867 in Schwenders „Colosseum“, bei der 3000 Personen anwesend waren, trat auch eine Gesangssektion ins Leben, der bald viele weitere folgten. Am 29. August 1868, einem strahlend schönen Samstag, erklang dann im Rahmen einer von diesem Arbeiterbildungsverein Gumpendorf zum Gedenken an Ferdinand Lasalle veranstalteten Feier zum ersten Mal das „Lied der Arbeit“. 4000 Männer und Frauen waren in Zobels „Odeongarten“ in Fünfhaus versammelt, als die 90 Mitglieder der Gesangssektion des Vereines unter ihrem „Chormeister“ Josef Scheu „Stimmt an das Lied der hohen Braut“ sangen und alle 10 Strophen des Liedes zum Besten gaben. Der Jubel war enorm, und bald wurde das Lied, dessen Text der erst 20jährige Graveurgeselle und Hobbydichter (und spätere Direktor der Fachschule für Graveure sowie Gold- und Silberschmiede) Josef Zapf verfaßt und der 26jährige Josef Scheu vertont hatten, die „inoffizielle“ Hymne der österreichischen

2 Arbeiterschaft, aber auch die Geburtsstunde der österreichischen Sozialdemokratie (was leider viele verdrängt haben). In den ersten Jahren danach wurde das Lied immer wieder verboten, trotzdem trat es sehr bald seinen „Siegeszug“an, und auch in Deutschland wurde es sehr bald populär (nicht zuletzt, weil der Erstdruck in einem Dresdener Verlag vonstatten ging). Daß das Lied dann 1933 in Deutschland und 1934 erneut in Österreich verboten wurde, hat seine „Auferstehung“ 1945 nur beflügelt. Das dritte Jubiläum gilt der „Internationale“, ein, wie der Name sagt, internationales Kampflied der Arbeiterbewegung. Der zunächst französische Text wurde 1871, unmittelbar nach der Niederschlagung der Pariser Kommune (die man später auch als „Erste Internationale“ bezeichnete), von deren Mitglied Eugène Pottier verfaßt, die Melodie fügte 1888 der Belgier Pierre Degeyter bei, der Dirigent des Arbeitergesangsvereines von Lille. Das Lied galt bald als „Hymne der Arbeiterklasse“und wurde bisweilen sogar wie eine Nationalhymne gepflegt. In der Sowjetunion war sie dies auch bis 1943, in der DDR wurde sie als mit der (von Johannes Becher gedichteten und von „unserem“ Hanns Eisler vertonten) Nationalhymne nahezu gleichberechtigt angesehen. In China war sie 1989 bei den Protesten der Studenten auf dem Tian’anmen-Platz gegen die Regierung „das“ Kampflied. – Die übliche, nur drei Strophen aufweisende deutschsprachige Version („Wacht auf, Verdammte dieser Erde“) der ursprünglich sechs Strophen, eine nicht ganz wörtliche Übersetzung, verfaßte Emil Luckhardt 1910.Der Österreichische Arbeitersängerbung ist derzeit in Verhandlung mit dem Renner-Institut sowie mit öffentlichen Stellen, um im Herbst eine würdige Feier zum Gedenken an diese drei wichtigen historischen Ereignisse und vor allem an die Entstehung unserer zwei wichtigsten Kampflieder zu veranstalten. Die Feier soll, wenn möglich, im Magistratischen Bezirksamt für den 15. Bezirk (Gasgasse 8–10) stattfinden, das sich im Nebenhaus von Zobels damaliger Bierhalle und „Odeongarten“ befindet. Zudem hatte in Zobels „Odeongarten“ am Samstag, dem 20. Juni 1868 das „Gründungsconcert der Liedertafel des Arbeiter=Bildungsvereines“stattgefunden.

 

Bild: By GuentherZ [CC BY 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/3.0)], from Wikimedia Commons